28. März 2011
Gemeinsame Fortbildung von Erzieherinnen Hofheimer Kitas und Kolleginnen der Grundschule und der Grundschulbetreuung

Zur Kritik des "Kompetenzbegriffs" siehe unten

"Stärkung kindlicher Kompetenz"
Fortbildungsmodul zum Hessischen-Bildungs- und Erziehungsplan 0-10
der Grundschullehrkräfte, der Grundschulbetreuung unserer Schule und der Erzieherinnen von Katholischer und Kommunaler Kindertagesstätte in Hofheim in der Aula

Struktur des pädagogischen Tages „Stärkung Kindlicher Kompetenz“
Referentin und Moderatorin: Frau Annette Christoph – AFL

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09.00 Uhr : Begrüßung und Organisation

a. Bilder malen zu drei Dingen, die jeder gerne tut
b. Gespräch mit zwei TeilnehmerInnen in Folge
c. Aufstellung der TeilnehmerInnen nach Einrichtungen
d. Aufstellung im Raum nach Berufsjahren

kurze Pause:

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10.00 Uhr: Mein Bild vom Kind: Kompetenzen
a. Kurzvortrag „ kindliche Kompetenz“
b. TeilnehmerInnen suchen je ein Kinder- Bild aus Sammlung aus
c. Reflektion: Welche Kompetenzen entdecke ich im Kind?
d. Austausch in 5er oder 6er Gruppen
e. Erstellen einer Übersicht auf Flipchart : Bilder und Kompetenzen
f. Vorstellen der Plakate im Plenum

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11.00 Uhr: Grundlagen des HBEP 0-10
Vortrag der Referentin: 3 Begriffe aus dem HBEP
- Das Kind steht im Mittelpunkt
- Verknüpfung der Bildungsorte
- Kommunikation mit Eltern

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12.00 Uhr Mittagspause

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13.00 Uhr: Kompetenz bei einem besonderen Kind
a. Einstieg mit Bilderbuch von Philip Waechter „ich“
b. Teilnehmer
Reflektion zu einem Kind aus eigener Gruppe, das einem besonders herausfordert
Welche Kompetenzen hat es? Wie kann ich sie fördern?
c. Austausch mit Partner -30 Minuten
d. Auswertung der Gespräche in der Großgruppe

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14.00 Uhr: Thema Bindung
Kurzvortrag der Referentin

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15.00 Uhr: Meine Rolle als Fachkraft
a. Kleingruppen planen mögliche Umsetzungsschritte in den Einrichtungen
b. Vorstellen der Schritte im Plenum

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15.50 Uhr: Ausklang

16.00 Uhr: Ende der Fortbildung

Stärkung kindlicher Kompetenzen
von Annette Christoph Multiplikatorin für den HBEP — "Stärkung der kindlichen Kompetenzen“ annettechristoph@web.de

Womit müssen wir uns auseinandersetzen? - Das Bild des Kindes

Das Bild vom Kind — ob verdeckt oder bekannt, bewusst oder nicht bewusst - beeinflusst pädagogische Konzepte. Pädagogisches Denken, planen, und Handeln wird gewissermaßen vom jeweiligen Bild des Kindes aus entworfen.
Der HBEP beschreibt das zugrunde liegende Bild vom Kind folgendermaßen:
„Von Anfang an äußeren Kinder ihre Bedürfnisse, gestalten ihre Bildung und Entwicklung aktiv mit und übernehmen dabei entwicklungsangemessene Verantwortung, denn der Mensch ist auf Selbstbestimmung und Selbsttätigkeit hin ausgelegt."
Bereits das Neugeborene kommt als kompetenter Säugling zur Welt.

Die Stärkung kindlicher Kompetenzen - Worauf es ankommt im Zusammenhang mit dem HBEP?

„Als Basiskompetenzen bzw. Schlüsselqualifikationen werden grundlegende Fähigkeiten, Fertigkeiten, Haltungen und Persönlichkeitscharakteristika bezeichnet. Diese Basiskompetenzen bilden die Grundlage für körperliche und seelische Gesundheit, Wohlbefinden und Lebensqualität des Kindes und erleichtern das Zusammenleben in Gruppen. Sie sind Vorbedingungen für den Erfolg und die Zufriedenheit in Familie, Kindergarten, Schule, sowie im späteren Beruf. Diese Basiskompetenzen sind Eigenschaften, die zur Lebensbewältigung des Kindes und zu lebenslangem Lernen befähigen. Sie werden im so genannten „heimlichen Lehrplan auch immer mit vermittelt, indem beispielsweise bestimmte Verhaltensweisen belohnt oder auch durch Vorbilder vorgelebt werden. Diese individuumsbezogenen und sozialen Basiskompetenzen stellen die Grundlage für lernmethodische Kompetenz und für Resilienz dar"

Folgende Kompetenzen werden genannt:

· Selbstwertgefühl
· Autonomieerleben
· Selbstwirksamkeit
· Selbstregulation.
· Neugier, Interesse
· Gefühle identifizieren and äußern
· Problem lösen
· Kreativität
· Gedächtnis
· Denkfähigkeit
· Differenzierte Wahrnehmung •
· Übernahme von Eigenverantwortung far Gesundheit und Wohlbefinden
· Fähigkeit zur Regulation von Anstrengung and Entspannung.
· Empathie
· Kommunikationsfähigkeit
· Kooperations- und Teamfähigkeit
· Konfliktmanagement
· Gefühl der Zugehörigkeit zur eigenen Kultur und der Teilhabe
· Sensibilitat für und Achtung vor Andersartigkeit und Anderssein
· Solidarität
· verantwortlicher Umgang mit der eigenen Handlungsfreiheit
· Unvoreingenommenheit
· Verantwortung für das eigene Handeln
· Verantwortung anderen Menschen gegenüber
· Verantwortung für Umwelt und Natur
· Einhalten von Gesprãchs- und Abstimmungsregein
· Einbringen und Uberdenken des eigenen Standpunktes
· Zuhören and Aushandeln


Die Stärkung kindlicher Kompetenzen ist gewissermaßen die beständig notwendige Grundlage, um ein möglichst großes Potenzial individueller Fähigkeiten entwickeln zu können. Dabei ist der Blick auf die Ressourcen des Kindes und nicht auf seine Defizite gerichtet.
Der leitende Gedanke ist, dass wir Erwachsene, das Kind selbst, die Kinder untereinander entdecken,

· was das Kind kann,
· woran es Interesse zeigt,
· wo es emotional berührt ist.

Die Anerkennung des Könnens, die Bestätigung des Interessanten und eine empathische Resonanz der Gefühle ist Auftrag für alle begleitenden Bezugspersonen an allen Bildungsorten und in allen Entwicklungsphasen.
Aktuelle und zukünftige Anforderungen auf Grund gesellschaftlichen and demografischen Wandels, kultureller Vielfalt im sozialen Umfeld und in der Zusammenarbeit, generell veränderte Anforderungen der Wirtschafts- und Arbeitswelt erfordern ein dynarnisches Bildungserneuerungsmodell.

Kinder brauchen weniger einen Wissenskanon, sondern in erster Linie Kompetenzen, die ihnen verhelfen,
· auf Neues mit Selbstvertrauen zuzugehen, sich einzulassen,
· sich mittels Selbstregulation vor Überforderung zu schützen,
· Themen und Probleme zu kommunizieren,
· kreative. Lösungen zu entwerfen und zu entwickeln •
· dabei einen an ethischen und demokratischen Grundwerten orientierten inneren Standpunkt zu beziehen
und sein Handeln daran ausrichten zu können.

Was müssen wir wissen? — Der bedeutungsvolle Zusammenhang zwischen Bindung and Bildung

Der ko-konstruktive Bildungsansatz des Hessischen Bildungs- und Erziehungsplans „berücksichtigt, dass Kinder von Geburt an sozial eingebunden sind, Kompetenzen mitbringen und aktive Konstrukteure ihrer Bildungsprozesse sind. Er betrachtet die soziale Interaktion als den Schlüssel zur Wissens- und Sinnkonstruktion."

Die Qualität der Bindungsbeziehung ist Grundlage dafür, mit welcher Sicherheit, Zuversicht, mit welchem Selbstvertrauen, sich das Kind der Entfaltung seiner Kompetenzen widmen kann.
Die Bindungsforschung hat den Zusammenhang zwischen Bindung und Sicherheitsgefühl des Kindes einerseits und seinem Explorationsverhalten und seiner Eigenaktivität anderseits deutlich gemacht.

Bindung und Sicherheit -------------------------------- Autonomie und Eigenaktivität

Berechenbarkeit und feste Regeln ------------------------------- Abwechslung und neue Reize


Aktives Erkundungsverhalten (Explorationsverhalten) in früher Kindheit setzt ein, wenn das Kind sich sicher und geborgen fühlt.
Um sich als eine sichere Bindungsperson anzubieten, müssen Eitern, Tageseltern und Frühpädagoginnen mit Feinfühligkeit auf den Säugling, des Kleinstkind reagieren können.
Das heißt sie erkennen in der Regel die Bedürfnisse des Kindes, interpretieren sie richtig und reagieren prompt und angemessen. Dies ist ein hoher Anspruch, der vielen Menschen intuitiv gelingt.

Welche Haltungen und Einstellungen müssen wir einnehmen, bzw. entwickeln? — Die Rolle der Bezugsperson / Fachkraft

„.Bildung und Erziehung sind ein auf Dialog ausgerichtetes Geschehen, in dem sich Kinder und Erwachsene als Partner respektvoll begegnen. Die Rolle der Erwachsenen zeichnet sich durch bedingungslose Akzeptanz, feinfühlige und liebevolle Zuwendung, angemessene Unterstützung und reflektierte Beobachtung des• Kindes aus.... es ist eine wechselseitige Partnerschaft, bei der sie gemeinsam Wissen, Verständnis und Sinn ko-konstruieren und beide Lernende wie auch Lehrende sein können.“

 

Anmerkung unsererseits:

Der Begriff der Kompetenz ist inzwischen im Bildungswesen nicht nur im Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan 0 -10 ( HBEP 0 -10) vom Ungeborenen (0) bis zum zehnjährigen (10) sondern weit darüber hinaus flächendeckend eingeführt oder soll es zumindest sein.
Inwiefern dem eine zu kritisierende Neuausrichtung des Bildungsbegriffs vor dem Hintergrund bedenklicher Tendenzen von Bildungsreform und Bildungspolitik zugrundeliegt, zeigt Jochen Krautz in seinem Buch "Wa(h)re Bildung" auf.

Eine Zusammenfassung seiner Ausführungen kann man bei Fromm Forum 13/2009 downloaden:

Bildung als Anpassung? Das Kompetenz-Konzept im Kontext einer ökonomisierten Bildung
Jochen Krautz
Referat


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